Jörg Heitkötter
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Eigentlich durfte es dieses Ding ja gar nicht geben, dachte Wahwah-8 bei sich.
Doch gerade eben als er seine alltägliche Kontrollrunde beendete, war dieses
Ei aus dem Himmel gefallen und schwebte nun, keine 6 Schläge von ihm entfernt
etwa in Sehhöhe.
Wahwah-8 war nun sicher kein Feigling, für gewöhnlich vertrieb er Feinde mit
wenigen Hieben aus der Kolonie, aber was sollte er jetzt tun? Angreifen?
Hätte das überhaupt Sinn?
Unruhig trat er von einem Fuß auf den anderen und entschloß sich erst einmal
abzuwarten. Sehr groß war es ja zum Glück nicht, eher klein, nein, etwa
halb so groß wie ein ausgewachsener Fütterer.
Aber Wahwah-8 ließ den Mut nicht sinken, sondern betrachtet das Ei etwas
genauer. Warum es nur von Innen heraus so leuchtete? Doch plötzlich
verschwand das Leuchten, und ein schwarzer Spalt erschien auf der ansonsten
glatt polierten Oberfläche. Er vergrößerte sich zusehends.
Aus dem Dunkel der Öffnung, in die sich der Spalt verwandelt hatte, trat,
Wahwah traf beinahe der Schlag, ein Wesen das glatt sein Bruder hätte sein
können, wäre da nur nicht dieses merkwürdige zweite Kleid gewesen, das
sein Gegenüber von Hals bis Fuß einhüllte, und nur den Kopf
freiließ. Das Licht der untergehenden Sonne brach sich reflektierend in
diesem merkürdigen Ding. Es schillerte in allen Regenbogenfarben.
Langsam schwebte der Fremde aus der Öffnung herab, auf Wahwah zu, wobei er
mit dem Kopf die Geste der Unterlegenheit und Freundschaft bedeutete.
Wahwah-8 zitterte am ganzen Körper; und das war ihm noch nie passiert! Aber
jetzt ließ es sich kaum vermeiden. Sein Verstand sagte ihm, daß es nun
an der Zeit wäre zu verschwinden. Doch Wahwah kämpfte tapfer gegen
dieses Gefühl an.
Angst! Zum ersten mal in seinem Leben erfuhr er was dieser Begriff zu
bedeuten hatte. Oh, natürlich war es keine persönliche Angst;
schließlich war er gewohnt zu kämpfen, aber die anderen!
Der Rest der Kolonie äre diesem Feind wohl
hoffnungslos ausgeliefert, wenn er versagte. Er dachte an sein Frau, seine
Kinder, Freund und Bekannte, und riß sich zusammen.
`Nur Mut!' sagte er mehr zu sich selbst, dann griff er den Fremden an.
Den Kopf weit von sich gestreckt haltend und wild mit den Flügeln schlagend
rannte Wahwah auf den Gegner los.
Er rannte und rannte, doch der Feind kam gar nicht näher!? Wahwah schien
buchstäblich auf der Stelle festzukleben. Als er in der nun aufkommenden
Verzweiflung an sich herabblickte, entdeckte er ein leuchtend rotes
Schemen, welches seine Füße einhüllte, und ihn offensichtlich
festhielt.
Das war selbst für Wahwah zuviel! Laut und voller Verzeiflung schrie er um
Hilfe. Da wurde der fremde Eindringling plötzlich sehr geschäftig. Er
holte eine kleinen Kasten hervor und hielt ihn in Richtung Wahwahs.
Dieser glaubte nun endgültig sterben zu müssen und schrie sich fast die
Seele aus dem Leib. Nur erschien einfach niemand um ihm zu helfen. Woran
das lag, erfuhr er nun endlich von dem Fremden, der merkwürdige Laute
ausstieß und dabei immer wieder auf Wahwah deutete. Bis dann plötzlich
das folgenden aus dem komischen Kasten drang, den der andere in der Schwinge
hielt.
``Entschuldige bitte, das ich Dich so erschreckt habe! Aber ich mußte Dich
einfach dazu bringen ein paar Laute zu äußern, sonst hätte es der
Interpreter nicht geschafft meine in Deine Sprache zu übersetzten. Du
brauchst keine Angst mehr zu haben. Mein Name ist Quack.02, ich bin ein
Entonier und komme mit meinem Raumschiff,'' er deutete mit der anderen
Schwinge hinter sich, ``dem Ei dort drüben, direkt von meinem Heimatplaneten
Urnest hierher.''
``Ach, ja. Deine Freunde konnten Dich vorhin nicht hören, weil ich mich
genötigt sah einen Schallkompens'O-matic Schirm um uns herum zu legen, denn
ich wollte schließlich erst einmal nur allein mit Dir Kontakt aufnehmen.''
erklärte Quack.02.
Wahwah-8 glaubte zu träumen. Interpreter?, Raumschiff?, Entonier?,
Schallkompens'O-matic Schirm? Das hier schien nun ein ganz besonders
heimtückischer Albtraum zu sein! Und dabei hatte er sich doch dieses
Jahr echt zusammengerißen und hatte nicht wieder zuviele Teichgrasblüten
gekaut, was erstens von den Alten verboten worden war. Und
zweitens halluzinogene Erscheinungen verursachte, was allseits bekannt war.
Wurden Wächter wie Wahwah in diesem Zustand auf Posten erwischt, war der
Ausstoß aus der Kolonie vorprogrammiert. Doch soweit wollte er es nicht
kommen lassen. Die anderen würden ihn sowieso nur auslachen, wenn er
ihnen hiervon erzählen sollte.
`Nun, gut' dachte Wahwah bei sich. Schließlich war er bisher aus all seinen
Träumen als Sieger hervorgegangen, also beschloß er das Spiel zunachst
einmal mitzuspielen. `Mal sehen, was mir meine Phantasie sonst noch zu
bieten hat.'
``Guten Abend, Quack,'' begann er höflich, ``mein Name ist
Wahwah-8, ich wohne hier und bin Wächter unserer Kolonie! Angenehme
Wassertemperatur heute!'' Etwas forscher fuhr er fort: ``Ich muß übrigens
darauf bestehen sofort losgelassen zu werden!'' `Damit ich Dich endlich
verjagen und diesen merkwürdigen Traum verlassen kann,' fügte er in Gedanken
hinzu.
Augenblicklich verschwand das Rote von seinen Füßen und wieder versuchte
Wahwah den Fremden anzugreifen. Er kam jedoch nur eine halbe Füßbreite weit,
dann hielt ihn das rote Schemen erneut fest.
``Hmmm,'' machte Quack.02 nachdenklich, ``anscheinend haben die sich bei
der Berechnung Eures Intelligenzquotienten ganz schön verhauen. Oder ich
habe ein besonders blödes Exemplar erwischt. Aber wollen wir einmal darüber
hinwegsehen, und annehmen, das die Jungs von der Galaktischen Entwicklungshilfe
GmbH wider einmal ein paar falsche Parameter in ihre Computer gesteckt haben.
Sei's drum, schließlich bin ich ohnehin hier, um Eure Intelligenz zu
fördern. Fangen wir also gleich damit an.''
Quack.02 verschwand kurz im Ei und tauchte diesmal ohne das zweite Kleid
wieder auf, dafür aber mit einem länglichen Stock in der Schwinge bewaffnet,
an dessen Ende ein blinkende Halbkugel bedrohlich funkelte. Diese näherte
sich nun Wahwahs Kopf, und stülpte sich darüber. Wahwah bemühte sich vergeblich
den Kopf wegzuziehen, aber das Rote Zeug hüllte ihn inzwischen ganz ein
und so war er komplett bewegungsunfähig.
Mit einem Mal schien Wahwahs Kopf zu explodieren, als der Fremde auf einen
kleinen Knopf am Ende des Stocks drückte. Es schmerzte fürchterlich!
Eine Welle von bisher unbekannten Emotionen schien über ihn hinweg zu rasen
und verdeckte kurz die vielen, grellen Lichterscheinungen, die vor seinen
Augen Ringelrein tanzten. Wahwahs Intellekt vergrößerte sich von Sekunde zu
Sekunde. Er sah Quack.02 an, das Ei, dann rief er sich die Worte in
Erinnerung, welche so unverständlich geklungen hatten und--er
begriff! Es war doch alles so einfach!
Vor ihm stand offensichtlich ein galaktischer Entwicklungshelfer, der der
Galaktischen Entwicklungshilfe GmbH (GEG) angehörte, die irgendwo auf dem
Planeten
Urnest eine Niederlassung besaß. Von dort war Quack.02 in die Randregionen der
Galaxis geschickt worden, wo er unseren Planeten untersuchen sollte.
Dieser hatte nämlich deshalb das Interesse der GEG auf sich gezogen, weil
hier die Evolution wirre Wege gegangen war, wie man auf eingigen Kartierflügen
festgestellt hatte. Statt er Gattung Wahwahs und Quacks waren andere
von der Natur mit Intelligenz versehen worden.
Dennoch war man sich in den oberen Gremien der GEG fast einstimmig
einig darüber, daß die Avenoiden dieses Planeten nicht völlig ohne
Denkvermögen weggekommen sein konnten, also hatte man die Computer angeworfen
und eine Weile rechnen lassen. Die Ergebnisse waren ermutigend, und so
wurde Quack.02 losgeschickt, auf einen Planeten, bei dem sich die
Natur herabgelassen hatte auch einmal anderen eine Chance zu geben,
aus ihrer Intelligenz etwas zu machen.
Kurzum, die Laune von Mutter Natur hatte sich inzischen gegen sie selbst
gewendet. Diese Wesen wußten einfach nicht was sie mit dem Geschenk
anfangen sollten. Statt sich, wie alle anderen Bewohner dieser
Galaxis, in den Weltraum zu orientieren, blieben sie auf der planetaren Stufe
stehen und nutzten nun ihr Denkvermögen einzig dazu, die Natur (die sie
doch derart bevorzugt hatte) zu zerstören, sich auf möglichst viele
verschiedene Arten und Weisen gegenseitig umzubringn, und zum kollektiven,
planetaren Selbstmord aufzurüsten. Hier sollte nun die Korrektur der
GEG ansetzen, indem der Fehler zugunsten der Avenoiden ausgebügelt
werden sollte.
Dies alles erkannte Wahwah plötzlich in kristallener Klarheit. Er wußte das
damit nur die Fütterer gemeint sein konnten, die auch die Landschaft
geschaffen hatten, in der nun die Kolonie Quartier bezogen hatte. All dies
erkannte er nun. Er sah...Doch er sah den Stein zu spät den einer der beiden Fütterer geworfen hatte,
die sich im Schutz der Dunkelheit angeschlichen hatten, um die Nester zu
plündern. Der Stein traf Quack.02 am Hinterkopf, und zerschmetterte ihn,
worauf er sofort tot zusammenbrach. Die Halbkugel rutschte von Wahwahs
Kopf, und er kam frei, denn auch das Rote war plötzlich verschwunden.
Halb wahnsinning vor Angst, vergaß er alles, was er eben erst gelernt
hatte, und stürzte, wild mit den Flügeln schlagend Hals über Kopf
davon.
Gegen die Fütterer konnte man ohnehin nichts ausrichten, also warnte Wahwah
die anderen nur mit seinen Schreien; und suchte schleunigst selbst das Weite.
Noch während Wahwah Hals über Kopf davonstob, sagte der eine Fütterer zum
anderen: ``Ey, Du wolltest sie doch nur erschrecken! Jetzt hast Du gleich
eine getötet!''
``Schrei mich nicht so an, Mann!'' erwiderte der Werfer. ``das war doch
bloß 'ne Ente!''
Dann vergingen die beiden im automatischen Abwehrfeuer von Quacks Raumschiff,
dessen Autopilot natürlich auf derartig tragische Vorkommnisse programmiert
war; das Schiff hob den Leichnam Quacks auf, und verschwand mit
flammenden Triebwerken im Nachthimmel.
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Die folgende Story entstand nach einem intensiven Gespräch
mit einer Vogelliebhaberin; was auch immer das bedeuten mag...